Lindy Hop ABC

Mit der DVD „Lindy Hop ABC“ können Lindy-Hop-Anfänger einfache Lindy-Hop-Figuren lernen, um ihr tänzerisches Repertoire zu erweitern.

Damit ist sie im deutschsprachigen Raum meines Wissens einzigartig, zumindest sind mir an Lern-DVDs ansonsten nur welche von internationalen Stars wie Kevin & Jo bekannt.

Die Produktionsqualität ist – wenig überraschend – eine Stufe darunter, die DVD atmet den Charme des selbstgemachten. Eine Tanzfläche, dahinter ein blauer Vorhang, um den Hintergrund zu beruhigen, ein Paar, das wars. Außerdem ein wenig Hall, aber der ist nicht weiter schlimm.

Die DVD ist in drei Teile gegliedert: elf Figuren aus der geschlossenen Position in die offene Gegenüberstellung, zwölf Figuren aus der offenen Gegenüberstellung in die offene Gegenüberstellung und sieben Figuren aus der offenen Gegenüberstellung zurück in die geschlossene Position.

Man merkt an der Anzahl schon: das sind natürlich nur leichte Abwandlungen voneinander. Alle Figuren sind auf Anfängerniveau, es geht dabei eher um „ist die Drehung unter dem Arm des Leaders hindurch oder läßt er los, während der Follower ausdreht?“. Alles in Ordnung.

Gezeigt bekommt man die Figuren zunächst mit Zählung des Takts, dann mit Musik, und beides aus allen vier Richtungen aufgenommen. Also insgesamt acht Aufnahmen pro Figur. Sehr schön!

Allerdings auch nur genau diese eine Figur, ohne Übergang von oder zu einer anderen Figur. Jede Aufnahme beginnt mit dem Paar am festen Ort stehend und zeigt dann genau die Taktschläge 1 bis 8. Auch ohne Überleitung in der Präsentation und manchmal etwas abrupt zusammengeschnitten.

Zielgruppe sind meiner Meinung nach Anfänger, die nach dem allerersten Anfängerkurs noch zumindest einen zweiten gemacht haben, den Swing-Out schonmal beigebracht bekommen haben und den Circle tanzen können.

Ich denke, es geht allen Tänzern so, daß man in dieser Phase gerne mehr Figuren lernen möchte, um etwas Variation auf die Tanzfläche zu bringen. Dafür halte ich die DVD für gut geeignet, sie gibt selbst nach Abzug der paar wirklich fast identischen Varianten noch genug Stoff, und das auf angemessenem, weil einfachen Niveau.

An Technik sollte der Anfänger sich nicht allzuviel abschauen, ich habe an einzelnen Stellen in der DVD einen Bounce erahnen können, aber auch das ist schon sehr wohlwollend gewertet.

Die Präsentation ist – wie bereits erwähnt – absolut minimalistisch und ohne jeden Esprit. Keine weitschweifige Begrüßung, kein Geplauder mittendrin, Takt zählen und dann nächste Figur. In ein paar Fällen gibt es mal eine Einblendung mit einer kurzen weiteren Sequenz, was bei der Figur zu beachten ist, beispielsweise in Bezug auf die Armhaltung oder einen Schritt, der zur Seite gehen muß, damit der Follower Platz hat. Diese Erklärungen kommen mir aber zu selten vor.

Mein Hauptkritikpunkt ist aber etwas anderes. Eigentlich zwei Punkte, die direkt zusammenhängen:

Wenn ich von „Erklärungen“ schreibe, dann meine ich Erklärungen für den Leader. Mir ist in der gesamten Laufzeit von 41 Minuten nicht ein einziger Hinweis, Tipp oder Erklärung für den Follower aufgefallen! Der Follower kommt hier nur als Requisite vor. „Sportgerät“, wie mein alter Tanzlehrer die Damen nannte.

Beispielsweise weist der Trainer an einer Stelle darauf hin, daß der Leader hier nach der Drehung im richtigen Moment die Hand des Followers wieder ergreifen soll. Wäre das nicht ein außerordentlich guter Zeitpunkt gewesen, dem Follower zu erklären, daß sie ihre Hand etwa in Hüfthöhe halten muß und nicht hängen lassen darf, so daß der Leader drankommt?

Der Trainer tanzt seine Figur, spricht auch zuweilen mal mit aufs Video, wohin er genau tritt, aber die Dame macht die Drehungen und alles ohne jede Anleitung, einfach so.

Überhaupt, die Dame im Video. Sie sagt nicht ein einziges Wort, noch nicht einmal zur Begrüßung. Mimik oder Gestik habe ich auch keine erkennen können, hauptsächlich schaut sie ihren Leader an oder verschämt zur Seite. Es liegt einem wirklich die Frage auf der Zunge, ob sie freiwillig teilgenommen hat.

Würde ich die DVD weiterempfehlen? Mit großen Einschränkungen ja. Wenn mein Gegenüber genau in der Zielgruppe ist, die erstmal nur ein paar neue, einfache Figuren lernen will. Dafür ist die DVD geeignet, und Alternativangebote sind ja nun wirklich dünn gesät.

Aber eigentlich würde ich mir wünschen, daß mehr unserer Trainer in Deutschland solche DVDs aufnehmen. Naja, nicht direkt bis zur DVD, aber Videokurse konzipieren und aufnehmen. Nicht nur die absolute Weltspitze, auch einfach „normale Trainer“ in unseren Szenen, zu denen wir gerne in die Kurse gehen. Das muß nicht übertrieben aufwendig produziert sein. Da reicht heute schon eine bessere Handykamera am Stativ. Dazu vielleicht tatsächlich noch ein Mikrofon mit Richtcharakteristik oder ein Mikrofon am Shirt, ein paar Gedanken zur Schalldämmung im Raum, und los gehts!

Wiedersehen auf der Tanzfläche

Nachdem wir die letzte Kursphase vorzeitig abbrechen mußten, ging es für die ersten Bielefelder Tänzer schon am Montag, und für mich dann gestern wieder mit Kursen los. Ein Wiedersehen auf der Tanzfläche mit vielen lieben Menschen, die ich länger nur per Telefon oder Mail „gesehen“ hatte.

Ich war zuversichtlich, das Generve hinter mir zu lassen und getreu „Ich habe Lust zu Tanzen!“ fröhlich meine beiden Kurse zu genießen.

Und genauso kam es auch. Uli verbreitete im Shim Sham gleich mal richtig gute Laune. Ein großer Spaß!

Shim Sham habe ich vor ewigen Zeiten mehrfach gelernt, mal besser, mal schlechter, aber so richtig flüssig wollte es nicht in meinem Kopf bleiben. Beziehungsweise, das mit dem Kopf ist natürlich wieder das Problem. Aber diesmal wird es besser klappen!

Apropos „früher schon gelernt“: ich habe vorhin das Video vom Shim-Sham-Workshop bei Ela in der Kung-Fu-Schule nochmal angeschaut. Das ist fünf Jahre her!

Uli ist richtig durchgerast. Wir haben fünf Termine, und nach dem ersten sind wir schon fast durch. Es fehlen nur noch Freezes, Half-Break und Shorty George, meine ich. Aber er wird uns sicherlich noch viel Styling zeigen, wir werden weiterhin fleißig üben, und dann… ist bestimmt tatsächlich noch Zeit für die Dean-Collins-Variante des Shim Sham. Die kenne ich noch gar nicht.

Der zweite Kurs im Anschluß war dann der Slides, Footworks & Social Moves-Kurs. Das große Sorgenkind der Planung und Organisation. Aber gestern war alle Last von mir abgefallen und ich konnte auch diesen Kurs richtig genießen.

Pia und Uli haben uns Scissors gezeigt. Dabei hat mich gewundert, wie lange wir gebraucht haben, eigentlich sind die relativ simpel, wenn man nur endlich mal richtig Gleichgewicht halten könnte.

Im Rückblick war dieser Abend genau das, was ich gebraucht habe. Ich freue mich schon richtig auf nächste Woche.

Online-Workshop Solo-Jazz

Usch aus Münster bietet einen Online-Workshop im Solo-Jazz an. Eigentlich ist das ja nicht so meins, aber die Beschreibung klang gut:

Leichte und schwierigere Moves langsam aufgebaut

Uschs Beschreibung auf Facebook

Das schätze ich sehr: Kompetente Aufarbeitung der Grundlagen mit einem Auge auf technischen Details. Wo genau kommt der Fuß hin? Wie setzt er auf? Wie synchronisiert sich die Armbewegung mit den Füßen?

Trotzdem war ich länger am Schwanken, ob mich der Workshop wirklich glücklich macht. Am Ende hab ich mir gesagt, daß ich da bestimmt etwas mitnehmen werde, selbst wenn mich einige Teile doch nicht interessieren sollten. Und dann gewinnt einfach der Gedanke, Usch in der Coronazeit zu unterstützen.

Die erste Stunde ist um, die zweite folgt kommende Woche. Und mein Zwischenfazit ist verhalten positiv.

Usch hatte in der Facebookbeschreibung diverse Moves aufgeführt, wir haben uns aber den weit überwiegenden Teil mit Suzie-Qs beschäftigt. Sicher, habe ich mal gelernt, sogar mehrfach, aber nie wirklich sauber getanzt.

Gefühlt war das zu viel Zeit für einen Move (es gab danach noch knee slaps und ähnliches), aber ich könnte rückblickend nicht benennen, was hätte wegfallen können. Die Erklärung war logisch aufgebaut, sie begann ganz leicht, und dann kamen immer weitere Aspekte hinzu. Das klingt sonnenklar, warum sollte ein Trainer das anders machen, aber dennoch zeigt sich doch immer wieder die lange Erfahrung, wenn es so gut klappt.

Die Audioverbindung war okay-ish. Sie war nicht richtig gut, aber ausreichend. Die Sprache und Musik war nicht immer synchron zum Bild, aber das war nicht weiter tragisch, weil alle Moves am Montag rhythmisch wenig anspruchsvoll waren. Keine „Eins-und“, keine Synkopierung, einfach volle Taktschläge.

Ich muß zugeben, daß ich nur teilweise mitgeübt habe, denn ich war nicht nur müde, sondern vor allem auch stimmungsmäßig mitgenommen, wie ich im letzten Beitrag schon schrieb.

Wünschen würde ich mir fürs nächste Mal aber vielleicht doch eine Vorstellung mehrerer Moves, auch um den Preis, daß diese dann nicht ganz so ins Detail gehen kann. Ein Video wäre natürlich auch toll, ich weiß gar nicht, ob wir eines geschickt bekommen werden.

Trotzdem sehe ich den Online-Workshop nicht als vollwertigen Ersatz für einen „normalen“ Workshop in Münster. Ich freue mich schon darauf, daß Usch wieder einen anbietet. Vielleicht diesmal, ohne daß ich die Feuerwehr rufen muß…

Neubeginn

Ich habe Lust zu tanzen!

Nicht mehr so exzessiv wie zu Beginn, als ich teilweise dreimal die Woche nach Bielefeld gefahren bin, oder auch drei Kurse an einem Abend besucht habe.

Aber wieder regelmäßiger, und vor allem auch: ungewohnter. Unbequemer.

Warum war ich seit langem nicht mehr in Osnabrück? Ja, weil Viktoria weggezogen war, deren Szene das war. Weil ich dort niemanden kenne, und mich mit dieser Situation schwertue.

Warum habe ich länger keinen Workshop mitgemacht, insbesondere keinen mehrtägigen oder internationalen? Ja, weil meine Wochenenden mittlerweile viel öfter mit anderen Dingen verplant sind.

Warum schwänze ich nicht nur das Bartsch, sondern auch öfter mal den Coffee & Swing? Ja, weil ich müde bin. Oder nicht bis nach Bielefeld fahren möchte – und abends wieder heim.

Aber trotzdem! Ich möchte meinen Spaß zurück.

Denn irgendwie war der verlorengegangen. Ich kann sogar ziemlich genau datieren wann: um die Zeit, als ich mich bei Lindyfeld in den Vorstand habe wählen lassen. Nicht falsch verstehen, Lindyfeld ist daran nicht „schuld“. Zu der Zeit war ich noch richtig motiviert, aber kurz danach bin ich etwas in ein Tanz-Loch gefallen, ohne konkreten Anlaß. Einfach nur blödes Timing.

Und die letzten Tage waren wirklich nervig und stressig und zum Weglaufen. Diese „Corona-Kursphase“ hatte es in punkto Organisation und Vorbereitung in sich. Und obwohl ich nur den deutlich kleineren Teil der Arbeit, des Stresses und der Telefonate auf mich genommen hatte, war ich mit den Nerven zu Fuß.

Dazu kam das übliche Problem: das blöde Plateau. Meine tänzerischen Fähigkeiten haben sich bestimmt zwei Jahre nicht mehr verbessert. Sie verkümmern eher. Ich spule dieselben Figuren ab, auf dieselbe schlampige Art wie beim Tanz davor. Und davor.

Was ich tun möchte: Leute kennenlernen, an meinem Styling arbeiten, ein wenig (nicht verbissen) an Technik arbeiten, wieder mehr followen, mal in West Coast Swing reinschnuppern, beim münsteraner Teadance tanzen, auf Wochenendworkshops in Deutschland fahren, mehr in Ulis Kursen tanzen, ein kleines „Lernjournal“ führen, Videos von Kursen und Workshops nacharbeiten.

Aber vor allem möchte ich es nicht wieder zu sehr „verkopfen“ und mich stattdessen dorthin treiben lassen, wo ich meinen Spaß finde.